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5G und Regulierung

Campus-Netze für die Produktion 4.0

5G-Campus-Netze erlauben neue Möglichkeiten für die mobile Medienproduktion, etwa auf dem Betriebsgelände oder bei Festivals und Sportereignissen. Auch ARD-Rundfunkanstalten wie BR und SR haben sich schon Lizenzen gesichert. Das IRT unterstützt sie mit seinem Know-how in der Funk-, IP- und Studiotechnik, um die Möglichkeiten der 5G-Technologie sukzessive auszuschöpfen.

Dr. Khishigbayar Dushchuluun, Thomas Schierbaum

Schon im Vorfeld der Auktion der 5G-Frequenzbänder im vergangenen Jahr war der Ärger bei den Mobilfunkbetreibern groß. Der Bund hatte angekündigt, einen Teil des Spektrums nicht zu versteigern, sondern per Antragverfahren zu vergeben. Während Deutsche Telekom, Vodafone, Telefónica und 1&1 Drillisch rund 6,5 Milliarden Euro für 420 MHz bezahlen mussten, wurden weitere 100 MHz (Frequenzbereich 3.700 bis 3.800 MHz) für lokale Funknetze der Industrie bereitgestellt. Diese sogenannten Campus-Netze sollen die Digitalisierung von Fabriken sowie der Land- und Forstwirtschaft in Deutschland voranbringen.

Niedrige Einstiegshürden

Antragsberechtigt sind zum Beispiel Grundstückseigentümer. Auch wer sonstige Nutzungsrechte besitzt, wie etwa Miete oder Pacht, kann einen Antrag stellen. Dafür braucht es lediglich Grundstücksdaten und technische Parameter. Außerdem müssen Fachkunde, Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit nachgewiesen werden. Neben BASF und Daimler erwarben auch ARD-Rundfunkanstalten wie BR und SR erste Lizenzen. Die Rundfunkanstalten erwarten sich mit 5G-Campus-Netzen flexiblere und wirtschaftlichere Produktionsmöglichkeiten. Schon seit einigen Jahren erforschen EBU, BBC, RAI, SWR und IRT die Optionen für Produktion und Distribution und gestalten aktiv die internationale 5G-Standardisierung mit.  

 

„Die Anforderungen des Rundfunks an drahtlose Produktionsnetze werden sich rasant wandeln. Bandbreite, Sicherheit und Latenz müssen veränderten Angebotsformen und Produktionsworkflows entsprechen und unsere Kostenstruktur entlasten.“
Helwin Lesch, BR

Szenarien in der Produktion

Erste Szenarien für 5G-Campus-Netze in der Medienproduktion stehen schon fest. Mobile Sendeeinheiten würden mit ihrem Reporterrucksack über breitbandige Netzzugänge an das Medienhaus angebunden. Ein Ü-Wagen könnte zum eigenen mobilen 5G-Standort auf dem Betriebsgelände oder bei einer Außenproduktion werden. Ganze Austragungsorte für Festivals, Sportereignisse oder Wahlsendungen ließen sich künftig kurzzeitig als Campus-Netze gestalten.

Sollte das PMSE-Spektrum für drahtlose Kameras und Mikrofone durch eine weitere Digitale Dividende knapper werden, erhofft man sich Abhilfen durch die 5G-Technologie. Auch in den Studios ergeben sich neue Möglichkeiten für die drahtlose Produktionstechnik.

Experten gehen davon aus, dass eine eigenständige Netztechnologie die hohen Anforderungen an Verfügbarkeit, Hand-over und Sicherheit besser gewährleisten kann als ein öffentliches Mobilfunknetz oder ein am ganzen Standort offenes WLAN-Netz. Völlig unrealistisch wäre ein Szenario, bei dem jedes drahtlose Produktionsmittel über eine SIM-Karte des Mobilfunknetzbetreibers verfügen müsste.

 

Neuland 5G

Es wird noch einige Zeit brauchen, bis die 5G-Technik voll produktiv eingesetzt werden kann. Das Thema der Campus-Netze ist weitgehend unbekannt. Stück für Stück müssen bestehende Prozesse in die neue 5G-Technologie migriert werden. Im neuen Antragsverfahren bei der Bundesnetzagentur unterstützte das IRT die Rundfunkanstalten – jetzt gilt es, erste technische Erfahrungen zu sammeln. Das IRT bringt sein Wissen in der Funk-, IP- und Studiotechnik ein. Es berät die Rundfunkanstalten, beteiligt sich an Forschungsprojekten und ist im Gespräch mit System- und Geräteherstellern.

In einem Aspekt sind Campus-Netze heute schon unschlagbar – bei den Lizenzkosten. Für die vier Standorte des Bayerischen Rundfunks – das Funkhaus-München, das Fernsehgelände Freimann, Ismaning und das Studio Franken in Nürnberg – fallen für 100 MHz über zehn Jahre nur 12.000 Euro an.