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Barrierefreiheit

Fernseh-Dialoge in vollem Klang

Mit Dialog+ entwickelt das IRT neue Audioversionen für Fernsehproduktionen und optimiert damit die Sprachverständlichkeit für unterschiedliche Hörerbedürfnisse. Davon profitieren Nutzer mit eingeschränktem Hörvermögen und ältere Zuschauer.

Theresa Liebl

Wenn Zuschauer nicht mehr alles verstehen, was in ihrer TV-Sendung gesprochen wird, kann das viele Ursachen haben: eine Hörbeeinträchtigung des Zuschauers, modernes Sounddesign, technische Randbedingungen bei der Aufnahme oder die schlechte Audio-Wiedergabe des Flachbildschirms. Das IRT arbeitet schon seit einigen Jahren daran, die Sprachverständlichkeit von Fernsehinhalten zu verbessern. Es entwickelt Produktionsrichtlinien mit, schafft mit objektbasiertem Audio neue Ansätze für die Tonproduktion und beleuchtet verschiedene Verfahren, wie sich die Sprachverständlichkeit für den Zuschauer verbessern lässt.

Die ideale Lösung wäre ein objekt-basiertes Audio-Angebot (Next Generation Audio), bei dem der Zuschauer das Verhältnis von Dialog und Hintergrund individuell einstellen kann. Dazu bedarf es einer objektbasierten Audioproduktion und darüber hinaus neuer TV-Geräte mit entsprechenden NGA-Decodern. Bis es so weit ist, können zusätzliche Audioversionen als Dialog+ Tonmischung dem Zuschauer einen deutlichen Mehrwert bieten. Die dazu benötigten Smart-TV-Geräte auf Basis von HbbTV 2 sind bereits im Markt erhältlich.

 

IRT hat Lösungen entwickelt

Zusätzliche Tonmischungen bedeuten jedoch Mehraufwände. Einzelspuren müssen verfügbar sein. Bei Archivmaterial ist das häufig nicht der Fall. Deshalb können automatisierte Ansätze vielversprechend sein. Es gibt bereits Verfahren, die eine fertige Stereomischung wieder in die Bestandteile Sprache und Hintergrund zerlegen. Das IRT arbeitet aktuell daran, welche Tonqualität mit den verschiedenen Verfahren erreichbar ist und welche Aufwände dabei auf Senderseite anfallen.

Ein am IRT entwickelter Demonstrationsaufbau zeigt, wie solche Inhalte beim Zuschauer bereitgestellt werden können. So wurden aus den Einzelspuren Dialog und Hintergrund bereits gesendeter TV-Sendungen, beispielsweise von „Tatort“-Produktionen und Dokumentationen, verschiedene sogenannte Dialog+ Mischungen erstellt. Dabei entstanden eine oder mehrere alternative Audiofassungen, in denen Dialog und Hintergrund in einem anderen Mischungsverhältnis als im Original stehen: Der Hintergrund wird im Vergleich zum Original abgesenkt (beispielsweise bei Version 1 um 50 % und Version 2 um 75 %), was die Sprachverständlichkeit erhöhen kann. Diese Dialog+ Mischungen werden zusätzlich zum Original-Broadcast-Ton via Internet übertragen.

„Sprachverständlichkeit ist nach wie vor ein sehr relevantes Thema. Trotz der verschiedenen Empfehlungen bezüglich der Produktion und der Endgeräte gibt es immer noch viele Diskussionen und damit den Bedarf, das Thema auch unter der Berücksichtigung neuester verfügbarer Technologien zu betrachten.“
Stefan Hennecke, Bayerischer Rundfunk

Audioversionen für unterschiedliche Bedürfnisse

Für die Wiedergabe nutzen die Spezialisten Merkmale des HbbTV 2-Standards, über den Smart-TVs seit 2019 in nennenswertem Umfang verfügen. Dabei lassen sich zusätzliche Audiospuren über das Internet anbieten und synchron zum Fernsehbild über den Broadcastweg wiedergeben. Der Nutzer kann dann eine dieser Dialog+ Versionen auswählen, in der die Tonmischung seinen Bedürfnissen entspricht. Der Showcase sieht zwei Möglichkeiten der Wiedergabe vor: entweder direkt über die Lautsprecher des TV-Geräts für alle Zuschauer im Wohnzimmer oder als personalisiertes Audio-Angebot für einzelne Zuschauer per Mobilgerät mit Kopfhörer. Dieses mobile Gerät wird mittels HbbTV 2 mit dem Smart-TV-Gerät verbunden, und dieses gibt die Tonspur synchronisiert zum Fernsehbild wieder. 

Die Übertragung von Dialog+ Tonspuren über HbbTV 2 ermöglicht es, den unterschiedlichen Bedürfnissen von Nutzern gerecht zu werden und bietet somit allen Zuschauern ein deutlich besseres Fernseherlebnis. Der Showcase zeigt, dass eine Ausstrahlung alternativer Tonmischungen mit den aktuellen technischen Gegebenheiten bereits heute möglich ist.

Hier geht es zum Demovideo im IRT Lab.