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IP-Streaming

Das volle Fernseh-Feeling mit DVB-I

Livestreaming so komfortabel wie über das gute alte Fernsehprogramm. Mit DVB-I steht nun ein vielversprechender Standard zur Verfügung, der auf allen internetfähigen Geräten implementiert werden kann – ohne die Installation zusätzlicher Apps oder Software. Das IRT hat eine Demoversion gezeigt.

Matthias Hammer, Klaus Merkel, Martin Schmalohr

Livestreaming von linearen Inhalten über das offene Internet (OTT) wird immer beliebter. Dabei lassen sich Livestreams zum einen über Webseiten von entsprechenden Anbietern mittels eines Browsers nutzen, zum andern aber auch über Apps auf verschiedenen Gerätetypen vom Smartphone bis zum Smart-TV. Während die öffentlich-rechtlichen Programme ihre jeweiligen Streams separat über eigene Apps oder Webseiten anbieten, ist ein gebündeltes Streamingangebot über alle großen TV-Anbietergruppen nur über die Dienste kommerzieller Anbieter, wie beispielsweise Zattoo oder Joyn, verfügbar. Um diese auf dem Fernsehschirm zu nutzen, muss der Zuschauer zunächst eine entsprechende App anwählen und gegebenenfalls installieren.

 

So benutzerfreundlich wie Fernsehen

Das DVB-Konsortium hat nun mit dem DVB-I-Standard ein Framework spezifiziert. Dieses soll bei linearen Streamingdiensten über das Internet die Robustheit und Benutzerfreundlichkeit gewährleisten, die Nutzer vom traditionellen Fernsehprogramm gewohnt sind. DVB-I ist auf allen Geräten nutzbar, die diesen Standard unterstützen und über eine Internetverbindung und einen geeigneten Mediaplayer verfügen. Dazu zählen neben Fernsehern und Smart-TVs, Smartphones, Tablets auch Streaming-Clients. Mit DVB-I werden lineare Fernsehdienste im Internet standardisiert signalisiert, ohne dass anbieterspezifische Apps benötigt werden. Wesentlicher Bestandteil von DVB-I sind entsprechende Spezifikationen für Metadaten. Als Streamingprotokoll ist adaptives Streaming nach dem MPEG-DASH-Standard vorgesehen.

DVB-I sieht vor, dass OTT-Streams bei Bedarf auch mit Broadcast-Signalen kombinierbar sind. Damit lassen sich beispielsweise nationale (Broadcast-)Programme zusammen mit lokalen (OTT-)Programmen in einer Liste abbilden. Auch ein dynamischer automatischer Umstieg von OTT und Broadcast ist möglich, um beispielsweise für einzelne Programmteile das Broadcast-HD-Signal temporär durch einen OTT-UHD-Stream ersetzen zu können.

Mit DVB-I werden lineare Fernsehdienste im Internet standardisiert signalisiert, ohne dass anbieterspezifische Apps benötigt werden.

Der Zugang muss gesichert sein

Offen bleibt bei alledem vorläufig noch die Frage, auf Grundlage welcher Businessmodelle sich ein solcher Standard durchsetzen könnte und wer die Aggregation der Metadaten für die Programmlisten übernimmt. Diese Funktion ist für einen diskriminierungsfreien Zugang zu allen relevanten Programmen kritisch: Wer entscheidet, welche Programme in welcher Reihenfolge und mit welchen Parametern in die DVB-I-Servicelisten aufgenommen werden?

Während der IBC 2019 haben verschiedene Industriepartner eine DVB-I-Demo gezeigt. Hier waren mehrere lineare Dienste aus dem terrestrischen Rundfunk (DVB-T2) sowie OTT-Livestreams über eine Internetverbindung (DVB-DASH) mittels einer einheitlichen Programmliste auf einem TV-Gerät verfügbar. Je nach den Fähigkeiten des Empfängers und festgelegter Priorität wurde ein Dienst entweder herkömmlich linear via DVB-T2 oder mittels DVB-DASH über die Internetverbindung bereitgestellt. Die Low Latency-Variante zeigte eine geringere Zeitverzögerung des adaptiven DVB-DASH Streams im Vergleich zu DVB-T2 auf.

Auf dem HbbTV-Symposium im November 2019 in Athen präsentierte das IRT in Kooperation mit TARA Systems eine weitere DVB-I-Demo. Hier konnten verschiedene MPEG-DASH-Livestreams der ARD mit den zugehörigen HbbTV-Applikationen kombiniert werden. Anders als bei den heute im Markt befindlichen OTT-Plattformen ist mit DVB-I und der Integration von HbbTV nun das volle TV-Erlebnis über OTT möglich – inklusive des „Red Button“, dem heute meistgenutzten Zugang zu den Mediatheken auf dem TV-Gerät.